Torffrei und torfreduziert kultivieren: Was ändert sich in der Praxis?

Weniger Torf bedeutet andere Rohstoffe und einen anderen Umgang mit Wasser und Nährstoffen. Worauf Sie bei der Umstellung auf torfreduziert oder torffrei achten sollten.

Torf ist seit Jahrzehnten die Basis der meisten Erden und Substrate. Er ist homogen, speichert Wasser gut, enthält ausreichend Luft und lässt sich leicht auf den gewünschten pH-Wert und Nährstoffgehalt einstellen. Dennoch steht seine Verwendung unter Druck. Beim Torfabbau wird Kohlenstoff freigesetzt, der sehr lange im Boden gespeichert war, und Abnehmer, Handel und Behörden verlangen immer häufiger weniger Torf in der Lieferkette. Für viele Gärtnereien lautet die Frage deshalb nicht mehr, ob sie weniger Torf einsetzen, sondern wie sie das ohne Risiko für die Kultur tun.

Was verstehen wir unter torfreduziert und torffrei?

Eine gesetzliche Definition gibt es nicht. Wir verwenden diese Einteilung:

  • Torfhaltig: Torf ist der Hauptbestandteil, mehr als die Hälfte des Volumens.
  • Torfreduziert: Höchstens die Hälfte ist Torf, ergänzt durch Alternativen.
  • Torffrei: Es ist kein Torf enthalten.

Bei jedem Produkt geben wir die genaue Zusammensetzung an, damit Sie sich nicht auf ein Etikett verlassen müssen.

Was ersetzt den Torf?

Kein einzelner Rohstoff leistet alles, was Torf leistet. Ein gutes torfreduziertes oder torffreies Substrat kombiniert deshalb mehrere Komponenten, jede mit einer eigenen Aufgabe:

  • Kokosmark speichert viel Wasser, nimmt es nach dem Austrocknen schnell wieder auf und ist strukturstabil. Der wichtigste Ersatz für die Wasserfunktion von Torf.
  • Kokosfasern und Kokoschips bringen Luft und Struktur und sacken kaum zusammen.
  • Holzfaser ist leicht und luftig und verbessert die Wiederbenetzbarkeit, zersetzt sich aber schneller und legt Stickstoff fest.
  • Rinde gibt Struktur und Luft und wirkt leicht versauernd.
  • Perlit bringt dauerhaft Luft ein, ohne sich zu zersetzen.
  • Kompost wird in manchen Mischungen für Pufferung und Bodenleben eingesetzt, verlangt aber eine sorgfältige Qualitätskontrolle.

Was ändert sich in der Kultur?

Ein Substrat mit weniger Torf verhält sich anders. Die Unterschiede sind gut beherrschbar, aber man muss sie kennen.

Bewässerung. Mischungen mit Holzfaser sowie Kokosfasern und Kokoschips lassen Wasser schneller durch. Die obere Schicht trocknet früher ab, während es unten im Topf noch feucht sein kann. Wer nach Augenmaß gießt, gießt dann schnell zu oft. Heben Sie die Töpfe an, wiegen Sie sie oder verwenden Sie ein Feuchtemessgerät, um den tatsächlichen Feuchtezustand zu bestimmen. Häufiger und dafür weniger je Gabe funktioniert oft besser als selten und viel.

Düngung. Holzfaser legt in den ersten Wochen Stickstoff fest, weil Mikroorganismen das Material abbauen. Deshalb enthalten holzfaserreiche Mischungen zusätzlichen Stickstoff. Ungepuffertes Kokosmaterial kann Kalium und Natrium abgeben und Calcium und Magnesium binden; in unseren Mischungen verwenden wir deshalb gewaschenes und gepuffertes Kokosmaterial. Kontrollieren Sie den EC-Wert in den ersten Wochen häufiger, als Sie es gewohnt sind.

pH-Wert. Torf hat von Natur aus einen niedrigen pH-Wert und wird aufgekalkt. Kokos ist annähernd neutral. Mischungen mit viel Kokos reagieren deshalb anders auf Kalk und auf die Zusammensetzung Ihres Gießwassers. Messen Sie den pH-Wert zu Kulturbeginn und nach einigen Wochen Kultur.

Struktur im Zeitverlauf. Holzfaser zersetzt sich schneller als Torf oder Kokos. Bei kurzen Kulturen ist das selten ein Problem; für Kulturen über mehrere Saisons wählen Sie eine Mischung mit stabileren Komponenten wie Kokosfasern, Kokoschips und Rinde.

Umstellung in Schritten

Stellen Sie nicht Ihren gesamten Betrieb auf einmal von einem vollständig torfhaltigen auf ein torffreies Substrat um. Ein schrittweises Vorgehen gibt Ihnen die Möglichkeit zu lernen:

  • Beginnen Sie mit einer torfreduzierten Mischung in einem Teil der Kultur, neben Ihrem vertrauten Substrat.
  • Halten Sie die Ausgangswerte fest: Messen Sie pH-Wert und EC-Wert zu Beginn und danach wöchentlich.
  • Passen Sie die Bewässerung bewusst an und dokumentieren Sie, was Sie tun.
  • Vergleichen Sie Wachstum, Bewurzelung und Einheitlichkeit am Ende der Kultur.
  • Senken Sie den Torfanteil erst weiter, wenn das Ergebnis stabil ist.

Unterstützung bei der Umstellung

Jeder Betrieb hat seine eigene Kombination aus Kultur, Topfgröße, Bewässerungssystem und Klima. Was beim Nachbarn funktioniert, muss bei Ihnen nicht funktionieren. In einem Beratungsgespräch oder bei einem Betriebsbesuch sehen wir uns Ihre Situation gemeinsam an, und mit einer Mischung nach Maß können Sie den Torfanteil Schritt für Schritt senken. Eine Substratanalyse während der Kultur hilft, Abweichungen früh zu erkennen.

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